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         Das pädagogische Konzept

 

Nach dem Sozialgesetzbuch (SGB VIII § 22) hat die Kindertagespflege einen Förderauftrag, der Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes umfasst und sich auf die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung bezieht. Die Förderung orientiert sich am Kind und berücksichtigt dabei Faktoren wie z.B. Alter, Entwicklungsstand, Lebenssituation. Grundlage für die Bildung sind die Bildungsgrundsätze zur Bildungsförderung für Kinder von 0 bis 10 Jahren in NRW.                                                                                                                                            

 

  Für die ganz Kleinen gilt immer die Aussage „Bindung kommt vor Bildung“. Ein Kind, das nicht sicher an seine Betreuungsperson gebunden ist, ist in seinen Lerndispositionen eingeschränkt. Das bedeutet, seine Möglichkeiten bezüglich Motivation und Fähigkeit, sich mit neuen Anforderungen und Situationen auseinanderzusetzen, sie mitzugestalten und zu bewältigen, kann es nicht ausschöpfen. Das ist aber die grundlegende Voraussetzung für Lern- und Bildungsprozesse. Eine gute Eingewöhnung ist somit die Basis für eine gelingende Tagespflege.  Der Schwerpunkt meiner Bildungsarbeit liegt entwicklungsbedingt in den Bildungsbereichen „Bewegung“, „Sprache und Kommunikation“ und „Soziale und (inter-)kulturelle Bildung“.

 

Um dem gerecht zu werden, gehen wir, Sie als Eltern und ich als betreuende Tagespflegeperson, eine Erziehungspartnerschaft ein. Das isteineintensive Zusammenarbeit in Form eines ständigen Austausches von Erfahrungen mit dem Kind und anderen relevanten Informationen sowie durch die Abstimmung von Erziehungszielen und-praktiken.

 

Von mir werden 5 Kinder in einer Kleingruppe betreut. Diese Gruppengröße ist für die Kinder überschaubar und sie werden schnell miteinander vertraut. Kinder profitieren von dieser Betreuungsform. Sie finden Spielkameraden und machen aufgrund der Alterskonstellation „Geschwistererfahrung“. Sie lernen die Bedürfnisse der anderen Kinder kennen, zu respektieren und Rücksicht zu nehmen und gleichzeitig für ihre eigenen Bedürfnisse einzutreten. Das Kind kann hier die Entwicklung vom noch mehr oder weniger hilflosen Jüngsten zum kompetenten Gruppenältesten und den damit verbundenen positiven Erfahrungen durchlaufen. Das Risiko einer Reizüberflutung durch Lärm und Unruhe wird durch die geringe Gruppengröße minimiert. Die Gruppenzusammensetzung ist zufällig.

 

Die Eingewöhnung ist eine für uns alle bedeutsame Zeit. Wir lernen einander nicht nur besser kennen, sondern das Kind hat in dieser Zeit die Möglichkeit, sich in der Gruppe einzufinden und vor allem insbesondere eine Beziehung zu mir aufzubauen. Dazu benötigt es ausreichend Zeit – wie lang, kann individuell sehr unterschiedlich sein. In der Regel reichen jedoch 2 bis 3 Wochen. Das Kind muss sich dabei nicht nur auf eine neue Umgebung einstellen, sich mit den anderen Kindern und mir auseinandersetzen, sondern sich auch auf einen veränderten Tagesablauf und vor allem an eine mehrstündige Trennung von den Eltern gewöhnen. Dies fällt ihm leichter, wenn eine vertraute Bezugsperson ihm solange eine sichere Basis, einen Zufluchtsort bietet, bis dass es eine Beziehung zu mir aufgebaut hat und mich als Bindungsperson akzeptieren kann. Das ist dann erreicht, wenn es sich von mir trösten lässt und die Trennung von den Eltern akzeptieren kann. Eine gute Eingewöhnung ist die Voraussetzung für eine gelingende Tagespflege, denn nur Kinder, die sich hier sicher und geborgen fühlen, haben Freude in der Betreuung und können ihr volles Entwicklungspotential ausschöpfen.

 

Ich praktiziere eine sanfte Eingewöhnung nach dem Berliner Modell. Dafür benötigen wir insgesamt etwa 2 bis 3 Wochen Zeit. In den ersten drei Tagen besuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind für 1,5 – 2 Stunden die Gruppe. Dieser Stundenumfang ist völlig ausreichend, denn die Situation ist aufgrund der vielen neuen Reize und Anforderungen für ihr Kind sehr anstrengend. Am 4. Tag erfolgt nach etwa 1 Stunde eine halbstündige Trennung. Verläuft diese erfolgreich, d. h. Ihr Kind lässt sich von mir trösten und beruhigen, wird diese Trennungszeit von Tag zu Tag ausgeweitet. Lässt sich Ihr Kind nicht von mir beruhigen, wird ein weiterer Trennungsversuch erst einige Tage später erfolgen.

 

Ihr Kind wird voraussichtlich in der Abschiedssituation weinen, und das ist auch völlig in Ordnung, denn anders kann es seinen Abschiedsschmerz und seine Ablehnung der Trennung noch nicht ausdrücken. Worauf es ankommt ist, dass es sich von mir trösten lässt, denn dann hat es mich als Bindungsperson akzeptiert.

 

Die Eingewöhnungszeit ist auch die Zeit, in der wir Erwachsenen uns besser kennenlernen, Vertrauen zueinander fassen und die Basis für eine Erziehungspartnerschaft legen können.

 

Damit ein Kind auch offen mit allen Sinnen sein kann, ist es mir wichtig, dass es in der Zeit, die es hier verbringt, nicht ständig den Schnuller im Mund und / oder sein Kuscheltier / -tuch in der Hand hat. Mit zunehmender Vertrautheit mir, den anderen Kindern, den Räumlichkeiten und den zeitlichen Abläufen gegenüber, wird es allmählich von diesen Übergangsobjekten entwöhnt. Natürlich erhält es sie immer dann, wenn es sie wirklich benötigt wie zum Schlafen, bei Krankheit und in belastenden Situationen.

 

Kinder bilden sich selbst durch Spielen. Diese Selbstbildung findet in Selbstlernprozessen statt.Damit das möglich ist, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die wichtigste Voraussetzung – die Bindungsbeziehung - schaffen wir durch die sanfte Eingewöhnung. Das Kind nimmt mich als Bindungsperson an, fühlt sich bei mir wohl und geborgen und es spürt, dass es bei mir willkommen ist und ich seine Bedürfnisse erkenne und befriedige. Weiterhin benötigt es Körperkontakt, Zeit, Raum, Sprache, Bewegung, Sozialkontakte und Spielmaterialien sowie Struktur und Regeln.

 

Über Körperkontakt gewinnt das Kind ein Gefühl von Sicherheit und Beruhigung. Dadurch kann es Sinnesreize und Erlebnisse besser verarbeiten. Dabei braucht es Hautkontakt und Berührung. Jedes Kind bestimmt aber selbst, ob, wann und wie viel Körperkontakt zu anderen Kindern und zu mir stattfindet.

 

Das Kind benötigt ausreichend Zeit, um sich gemäß dem ihm eigenen Tempo in seinem eigenen Rhythmus entwickeln zu können. Und diese Zeit wird ihm gelassen. Dabei bestimmt es z.B. selbst, wann es welche Bewegungsabläufe wie Aufsetzen, Stehen, Laufen einübt oder wann der richtige Zeitpunkt für sein Trockenwerden gekommen ist. Entwicklungsabläufen greife ich möglichst nicht vor, mache dem Kind jedoch Angebote und biete ihm Ermutigung und Unterstützung an.

 

Raum ist ebenfalls wichtig. Dafür habe ich zum einen einen kindgerecht eingerichteten für bis zu 5 Kinder ausreichend großen Raum, den die Kinder gefahrlos erforschen können. Hier finden sie Anregungen, Reize und Herausforderungen, ohne die Gefahr einer Reizüberflutung. Zum anderen bieten die Außenaktivitäten im Hof, auf der Wiese und insbesondere im Wald viel Raum für Bewegung und Forscherdrang.

 

Um Eigeninitiative entwickeln, Phantasie und Kreativität wachsen zu lassen und ausleben zu können sind Zeit und Raum gleichermaßen wichtig. Kinder beschäftigen sich mit dem, was sie herausfordert und zu ihrer Weiterentwicklung, zu ihrem „Wachsen“, beiträgt. Sie müssen ihren eigenen Rhythmus und ihre eigenen Lernwege finden. Daher lege ich sehr großen Wert auf das Freispiel, welches dem Kind die Möglichkeit gibt, sich selbst Fragen zu stellen, durch Experimente nach Antworten zu suchen, Erfahrungen nachzuspielen, zu verarbeiten, andere Kinder und deren Verhalten kennen zu lernen, Kontakte zu ihnen herzustellen, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit zu stärken. Freies Spiel bedeutet selbständiges Spiel und stellt eine wichtige Grundlage für die Entwicklung dar. Kinder schauen dabei viel voneinander ab. Durch Parallelspiel verfolgen sie die Spielverläufe anderer und versuchen diese zu verstehen, imitieren die Bewegungen und Aktivitäten anderer und empfinden sie nach. Es kommt zum Austausch miteinander.

 

Die Sprachliche Entwicklung wird gefördert durch Fingerspiele, Kinderlieder und Reime, durch Vorlesen und das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern, die sprachliche Benennung und Begleitung der jeweiligen Tätigkeit und durch Gespräche. Zahlreiche Bilderbücher stehen den Kindern zur freien Verfügung. Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung werden gleichzeitig nebenbei geübt. Auch die Unterstützung vielfältiger Bewegungserfahrungen wirkt sich positiv auf die Sprachentwicklung aus, denn die Zentren für Sprache und Bewegung stehen im Gehirn in enger Wechselwirkung

 

Es ist mir wichtig, den Kindern ausreichend Möglichkeiten zur Bewegung zu bieten. In jeder Phase seiner Entwicklung ist ein Kind zu selbständigen Bewegungsaktivitäten fähig, diese sind ein zentrales Element. Bewegung macht ihm Freude. So stehen im Spielzimmer u.a. Pikler-Bewegungsmaterialien zum Klettern und Rutschen zur Verfügung. Durch das Klettern werden die grobmotorischen Bewegungen mit der Zeit sicherer, variationsreicher und differenzierter. Andere Anlässe zur Bewegung bieten die Außenaktivitäten. Diese richten sich dabei sowohl nach dem Alter und den Fähigkeiten der Kinder als natürlich auch nach dem Wetter. Der Hof lädt zum Fahren mit dem Bobbycar, dem Roller, dem Dreirad oder zum Ballspielen ein. All das ist auch bei Regenwetter möglich. Gelegentlich gehen wir zum „Pfützenspringen“ auf die Straße. Die Wiese hält mit den Sandkästen, der Rutsche, dem Kletterhäuschen, dem Wippauto und der häufiger aufgebauten Balanciermöglichkeit ebenfalls attraktive Spiel- und Bewegungsangebote bereit.                                                                                                                                                                                                        Besonders beliebt bei den Kindern sind das Hirsche-Füttern und der Ausflug in den Wald. Unsere „Waldtage“ sind mir besonders wichtig, denn hier haben die Kinder noch mehr Raum, ihren Bewegungsdrang auszuleben, sich selbst auszuprobieren und gleichzeitig mit der Natur auseinanderzusetzen. Bewegungsfreude und Entdeckerlust verbinden sich mit einer allumfassenden Förderung von insbesondere Motorik, Koordination und Wahrnehmung. Diese sind untrennbar miteinander verbunden. Durch die Bewegung verschafft sich das Kind Sinneserfahrungen, die es für seine physische und psychische Entwicklung braucht. So kann es hier toben, klettern, laufen, balancieren, Hindernisse überwinden und mit Naturmaterialien spielen, den Wandel der Jahreszeiten erleben und vieles mehr. Auch Phantasie und Kreativität können nach Herzenslust ausgelebt werden. Mit steigenden Herausforderungen und deren Bewältigung entwickeln sich nicht nur Selbstvertrauen, positives Selbstwertgefühl und ein Gefühl der Kompetenz, sondern auch eine realistische Selbsteinschätzung. Vor allem aber haben die Kinder bei den Bewegungsaktivitäten und insbesondere bei den Ausflügen sehr viel Spaß.                                                                                                                                                              

 

Zur weiteren Förderung von Wahrnehmung und Feinmotorik steht den Kindern im Spielzimmer eine Auswahl anSpielmaterialien zur freien Verfügung während im Hof oder auf der Wiese hin und wieder Sand- und Wassertische dazu einladen, mit Sand, Wasser oder Wasser und Sand zu spielen und experimentieren.

 

In der Kindergruppe nimmt sich das Kind als Teil einer Gemeinschaft wahr, in der es lernt Rücksicht zu nehmen und adäquates Sozialverhalten einzuüben. Es ist zwar von Geburt an ein soziales Wesen, muss aber im Alltag in der Gruppe und durch die Auseinandersetzung mit den anderen lernen, nicht nur seine eigenen Gefühle, sondern auch die des Gegenübers wahrzunehmen und zu erkennen und seine daraus resultierenden Impulse und sein Verhalten zu steuern und Frustrationen auszuhalten. Dabei erfährt es altersangemessene Unterstützung, wobei Jüngere häufiger Hilfe in der Auseinandersetzung mit den Älteren benötigen. Es wird ermutigt, seine Konflikte konstruktiv selbst zu klären.

 

Zeitliche Struktur und Regeln bieten den Kindern Sicherheit. Die Vorhersehbarkeit von Abläufen, die durch einen strukturierten Tagesablauf gegeben ist, ist für die Kinder von großer Bedeutung, denn sie schafft einen Orientierungsrahmen und damit Halt, indem der Tag für sie überschaubarer wird. Es hilft Ordnung in die vielfältigen Sinneseindrücke zu bringen. Daher bitte ich um Pünktlichkeit beim Bringen der Kinder.Nur so können wir unseren Tagesablauf einhalten.   Regeln bedeuten ebenfalls Struktur und setzen Grenzen, die im Umgang miteinander erforderlich sind. Neben Förderung erfährt das Kind so auch Forderungen, an denen es wachsen kann. Zu den Regeln gehört z. B. dass beim Essen alle Kinder gemeinsam am Tisch sitzen bleiben.

 

Diegemeinsamen Mahlzeiten – Frühstück, Mittagessen, Nachmittagsimbiss - nehmen in unserem Tagesablauf einen recht großen zeitlichen Raum ein. Je jünger die Kinder sind, desto mehr Zeit benötigen wir dafür, da die Kinder bestrebt sind, möglichst selbständig zu essen und das natürlich unterstützt wird.  Die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen und jedes Kind entscheidet dabei selbst, ob und wie viel es isst. Zwischen den Mahlzeiten gibt es in der Regel nichts zu essen.

 

Die Mittagsruhe im Bett, die von ca. 12:00 bis 14:00 Uhr dauert, dient den Kindern dazu, zu schlafen, sich auszuruhen, abzuschalten, Erlebnisse und Sinneseindrücke zu verarbeiten und neue Kraft zu schöpfen. Kinder, die mittags das Bedürfnis haben zu schlafen, dürfen das auch und werden von mir nicht vor dem Ende der Mittagsruhe geweckt und wachgehalten. Ältere Kinder, die nicht mehr so viel Schlaf benötigen und daher nicht schlafen wollen, dürfen im Bett lesen, müssen aber leise sein.

 

Die Gemeinsamkeit bei den Mahlzeiten und der Mittagsruhe stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe, was sich häufig in einem veränderten Spielverhalten nach dem Mittagesschlaf widerspiegelt. Es ist dann ein vermehrtes Zusammenspielen und ein liebevollerer Umgang miteinander zu beobachten.

 

Die Sauberkeitserziehung gehen wir ganz gelassen an. Davon ausgehend, dass Kinder in der Regel erst mit etwa 2 ½ Jahren ihre Schließmuskeln kontrollieren können, beginne ich in Absprache mit Ihnen damit auch erst um diesen Zeitpunkt herum. Zur Vorbereitung spreche ich mit den Kindern häufiger darüber und wir lesen entsprechende Bilderbücher. Zeigt ein Kind schon vorher ein ernsthaftes Interesse am Trocken- und Sauberwerden, so wird es in diesem Bestreben selbstverständlich unterstützt. Das Bedürfnis des Kindes steht auch hier im Vordergrund. Aus Sicherheitsgründen wird ausschließlich auf dem Boden gewickelt.

 

 

 

Das Ziel meiner pädagogischen Arbeit als Entwicklungsbegleiterin sehe ich darin, den Kindern vielfältige und anregungsreiche Bildungsgelegenheiten und Herausforderungen zu schaffen, ihre Wissbegierde zu unterstützen und ihren Erfahrungsraum zu erweitern, ihnen den Rahmen, den Raum und die Zeit zu geben, die sie auf ihrem Weg zu einer eigenständigen und selbstverantwortlichen Persönlichkeit benötigen. Ihr Wohl steht dabei im Mittelpunkt meiner Arbeit.                                                                                                                          

 

   (Stand: März 2018)                                                   

 

 

 Quellen:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             - Bildungsgrundsätze.   Mehr Chancen durch Bildung von Anfang an          Grundsätze zur Bildungsförderung für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich in Nordrhein-Westfalen                           -  Jutta Hinke-Ruhnau: Bildung unter drei in der Kindertagespflege, Klett/ Kallmeyer                                                                                                                                                                                                                                           - Martin R. Textor: Elternmitarbeit: Auf dem Wege zur Erziehungspartnerschaft, München: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit 1996, S. 6 -28